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Herman Gremliza ist tot

(09.01.2020 - 11:37)


Hermann L. Gremliza, Publizist und seit 1974 Herausgeber des linken Monatsmagazins Konkret, ist
tot.
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Er verstarb, wie die Pforzheimer Rundschau erfuhr, bereits am Freitag , den 20.12. 2019 in
Hamburg. Gremliza wurde 79 Jahre alt.
In einem Nachruf (Junge Welt) von Georg Fülberth heißt es: Hermann Gremliza ist, wie vor ihm Karl
Kraus, in seiner Zeit hierzulande der einzige gewesen, der die Sprache als Beobachtungsstation von
Gesellschaft zu nutzen verstand.«

Gremliza wuchs in Gerlingen auf. Seine Schwester ist die Politikwissenschaftlerin und Verlegerin
(Hamburger Konkret Literatur Verlag) Dorothee Gremliza.
Nach dem Abitur am Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium studierte er von 1960 bis 1966
in Tübingen und an der FU Berlin Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft.
In Tübingen gab er im Auftrag des dortigen AStA die Studentenzeitung Notizen heraus.
Er begann 1966 als Redaktionsassistent und arbeitete zuletzt als leitender Redakteur des
Politikressorts des Spiegel. Infolge einer Auseinandersetzung mit dem Herausgeber Rudolf
Augstein um redaktionelle Mitbestimmung verließ Gremliza Ende 1971 das Magazin. Ab 1974 bis zu
seinem Tod gab er die monatlich erscheinende Zeitschrift konkret heraus. Neben dem Editorial
veröffentlichte er dort regelmäßig Kolumnen, in denen er sich kritisch mit Positionen in den
Massenmedien auseinandersetzte. Außerdem führte er in unregelmäßiger Folge Interviews mit
Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.
Gremliza war ein scharfer Kritiker der politischen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland und
ein erklärter Gegner von deutschem Patriotismus und Nationalismus. 1980 unterstützte er den Aufruf
zum Anachronistischen Zug gegen die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß. Im Jahre 1989
trat er aus der SPD aus.
Er gab 1987 öffentlich an, als Ghostwriter für Günter Wallraff dessen Buch Der Aufmacher über
die Bild-Zeitung geschrieben zu haben, was von Wallraff seinerzeit „im Kern" auch nicht bestritten
wurde.

Für die von ihm herausgegebene Zeitschrift konkret schrieb er monatlich mindestens einen politischen
Leitartikel (Gremlizas Kolumne) und eine Sprachkritik (Gremlizas Express), in der er im Geiste
von Karl Kraus aus aktuellen Äußerungen von Politikern und anderen öffentlichen Personen die
zugrunde liegende Gesinnung extrahierte.
Gremliza war ein Vertreter der israel-solidarischen Linken. Er galt manchen als Dogmatiker, Zyniker oder Kommunist.
Gremliza war seit 1976 verheiratet und hatte vier Kinder. Er starb im Dezember 2019 im Alter von 79
Jahren in Hamburg[ nach langer schwerer Krankheit.
Quelle: u.a. Wikipedia, DER UNKER (12/1987)


In einem Interview mit der Redaktion der ehemaligen Monatszeitung DER UNKER (Pforzheim) mit Gremliza (Ausgabe Nr. 74) machte er folgende Aussagen (verkürzt):

„Aufklärung ensteht dadurch dass man Glauben erschüttert"..
„Denen kann nichts bessres passieren, als dass sie mal Feuer unter dem Arsch bekommen" (über Funktionäre der DKP, die nach Wahlmisserfolgen nur in ihren Büros sitzen..)

„Der Misserfolg von konkret besteht ja gerade darin, dass es einen Lesern und LeserInnen immer wieder große Schwierigkeiten bereitet."

„Ob Wallraff ein Buch über die BILD-Zeitung schreibt, oder am Gangen (Indien) die Linde rauscht, das hat in etwa die gleiche Konsequenz für die BILD-Auflage.."

Zum Thema Kleinpresse. Es geht darum, welche Sprengkraft Ergebnisse besitzen, die jemand hat und verbreitet. Man darf das nicht überschätzen (hier gemeint die Rolle von konkret), deshalb will ich jetzt nicht anfangen , Eure Rolle zu überschätzen (als kritische Monatszeitung in Pforzheim). Es hält die Diskussion, wie es in einem Bereich in einer Kleinstadt wie Pforzheim möglich ist, am laufen..

ron 

 

 

 




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