Leserbriefe
Mit Erstaunen habe ich erfahren, dass Pforzheims Oberbürgermeister Boch nicht nur ein Unternehmen gegründet hat, sondern auch als Berater tätig ist - und sich
diese Nebentätigkeiten offenbar selbst genehmigt hat.
Was mich jedoch besonders erstaunt: Hat Herr Boch den Oberbürgermeisterpostenmöglicherweise selbst zu einer N ebentätigkeit degradiert, während er seine privaten
Geschäfte in den Vordergrund stellt?
Noch problematischer wird es, wenn man bedenkt, dass er für diese zwei Posten
OB und Berater - nicht gewählt wurde. Er wurde von den Bürgern Pforzheims nicht
für diese anderweitigen Aufgaben in Verantwortung genommen, sondern für das
Amt des Oberbürgermeisters.
Wenn er also parallel zu seiner eigentlichen Funktion als Stadtchef in privaten
Geschäften tätig ist, stellt sich die Frage, wie ernst er das Amt tatsächlich nimmt.
Der Bürger fühlt sich hintergangen.
Sollte dies die neue Praxis für städtische Angestellte sein - dass man sich einfach einen „Nebenjob" sucht, um als „wirklich ausgelastet" zu gelten?
Wie weit lässt sich die Trennung zwischen öffentlichem Amt und privaten Interessen
ziehen, wenn der Oberbürgermeister in einem klaren Interessenkonflikt steht?
Es entsteht der Eindruck, dass Pforzheim sich in eine Richtung bewegt, in der
Verantwortliche ihre Aufgaben nur halbherzig wahrnehmen und stattdessen eigene
Interessen verfolgen.
Die Frage muss erlaubt sein: Was sind die vorrangigen Aufgaben eines
Oberbürgermeisters? Kann es wirklich sein, dass dieser Posten - mit all seiner
Verantwortung für das Wohl der Bürger - zu einem „Nebenjob" verkommt?
Die Bürger von Pforzheim erwarten, dass ihr Oberbürgermeister sich mit vollem
Einsatz für die Stadt und ihre Menschen engagiert. Stattdessen scheint es, als ob
Herr Boch das Amt eher als „Karriereabsicherung" betrachtet, während er
anderweitig tätig ist.
Wenn das so weitergeht, könnte man sich fragen, ob nicht alle städtischen
Angestellten ein zusätzliches Standbein suchen sollten - schließlich scheint es,
dass unser OB das als vollkommen legitim ansieht.
Besonders wichtig ist jedoch die Verantwortung eines Oberbürgermeisters, sich für
das Wohl der Bürger zu kümmern, das lokale Gewerbe zu fördern und Arbeitsplätze
zu schaffen.
Anstatt sich mit den wirtschaftlichen und städtebaulichen Herausforderungen (z.B.
Schlossberghöfe) auseinanderzusetzen, die Pforzheim dringend bewältigen muss,
scheint Herr Boch seine Energie verstärkt in private Nebentätigkeiten zu stecken.
Sollte die Stadt unter einem OB leiden, der sich nicht zu 100 % für Pforzheim
engagiert, stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, einem anderen, voll und
ganz engagierten Stadtchef die Verantwortung zu übertragen.
Am Ende bleibt die Frage: Wenn der Oberbürgermeister seine Zeit und Energie in
Nebentätigkeiten investiert, warum sollten wir Bürger dann weiterhin unsere Steuern
als verpflichtende Abgaben sehen?
Vielleicht könnte man das ja auch als freiwillige Spende deklarieren.
Gundi Köhler, Pforzheim
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