Leserbriefe
Waghalsiger Kletterprotest über Karlsruher Weihnachtsmarkt abgefangen
Samstag Morgen, 08:30, Karlsruher Marktplatz: Der Karlsruher Stadtalltag wird an diesem Samstagmorgen schon früh unterbrochen: Mit einem Großaufgebot an Zivil- und Vollzugspolizei wird eine spektakuläre Aktion
über dem Karlsruher Marktplatz verhindert. Aktivist*innen des Widerstands-Kollektivs Karlsruhe wollten ein knapp 20 m² großes Banner mit der Aufschrift "Kultur und ÖPNV am seidenen Faden" in das berühmte Seil des „fliegenden Weihnachtsmanns" über dem Karlsruher Weihnachtsmarkt hängen. Das Banner hätte dabei scheinbar nur an einem
seidenen Faden gehangen - der Strick, an dem das Banner eigentlich hängen sollte, wirkt wie zerrissen.
Der Protest sollte sich gegen die geplanten Haushaltskürzungen, welche Kulturszene, ÖPNV und jetzt sogar das stadtweite Leihfarrad-Angebot von
Nextbike existenziell gefährden, richten.
Betroffen sind Kulturförderungen, von welchen viele Einrichtungen abhängen, Straßenbahntaktungen, welche auf den meisten Linien deutlich niedriger werden, aber auch die Nextbike-Förderung, durch die Student*innen in Karlsruhe aktuell kostenfrei Leihfahrräder nutzen
können.
Die Pläne des Gemeinderats erzeugen in Karlsruhe stadtweite Empörung. Am heutigen Samstag findet neben der Kletteraktion des Widerstands-Kollektivs auch eine große Demostration gegen die Kürzungen im Kulturbereich statt. Daneben laufen mehere Petitionen gegen die
Pläne, so zum Beispiel auch eine des Karlsruher Studierendenvertretung AStA, um die Nextbike-Förderung zu erhalten [1]. „Nur ein breiter,
vielfältiger Protest kann den Gemeinderat zur Einsicht bringen. Wir fordern deshalb alle Karlsruher*innen dazu auf, sich dem Widerstand anzuschließen, in der Luft und auf dem Boden", sagt Paul Liebsch, einer
der beiden Hochseil-Aktivist*innen.
„Noch hat der Gemeinderat die Möglichkeit, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen und Kultur und ÖPNV in Karlsruhe in Sicherheit zu bringen. Bleibt die Politik jedoch bei ihrem Kurs, stürtzen sie in die
Tiefe." sagt Julius Hamich, einer der Kletternden, der bereits bei der Besetzung der Platanen in der Kaiserstraße und am Staatstheater dabei
war [2, 3].
Die angedachte Kürzung von 10% würde fast ein Drittel der kulturellen Einrichtungen in existentielle Not bringen. Sie wären das tragische Aus für mindestens 8 Einrichtungen: KOHI, Sau e.V., Sandkorn, tanzareal,
dokka, Filmboard, PRIDE PICTURES und Kinemathek.
„Die Kulturszene trägt einen unersetzlichen Teil zur Vielfalt, Demokratie und Attraktivität Karlsruhes bei. Gerade angesichts gesellschaftlicher Krisen brauchen wir mehr Förderung ziviler Teilhabe.
Es kann nicht sein, dass wir ausgerechnet während der COP30 die Weichen erneut auf fossile Zerstörung stellen - anstatt endlich Prioritäten für Demokratie und Klimaschutz zu setzen. Wir brauchen Kultur und ÖPNV, um
uns vom Verbrennerzwang zu befreien und Emissionen einzusparen. Unsere Lebensgrundlagen hängen gemeinsam mit Kultur und Öffis am seidenen Faden'', so Moritz Borcherding, Pressesprecher des Widerstands-Kollektivs.
PM
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