Rubrikübersicht | Impressum | 15. März 2026


Leserbriefe

Am 5. September heißt es: AfD-Podium in Tübingen? Nicht mit uns!

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Das „Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen" positioniert sich klar und unmissverständlich gegen das von Oberbürgermeister Boris
Palmer organisierte Podium mit dem AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier am 5. September in der Hermann-Hepper-Halle in Tübingen und ruft zu einer Kundgebung mit lautem Gegenprotest auf.


Anstatt sich der Illusion hinzugeben, die AfD ließe sich durch das bessere Argument wegdiskutieren, ruft das Bündnis dazu auf, gegen die AfD zu protestieren und ihr
gleichzeitig den sozialen Nährboden zu entziehen.
„Die richtige antifaschistische Strategie kann aktuell nicht überall gleich aussehen, denn in manchen Teilen der Bundesrepublik ist die AfD weitestgehend normalisiert. Aber in einer Stadt, in der über Jahre hinweg keine öffentliche Veranstaltung mit oder von der AfD stattfand, für die die bundesweit hohen Umfragewerte der AfD zum Glück nicht
repräsentativ sind, wo die Mehrheit tendenziell bedroht ist von einer stärker werdenden AfD, lohnt sich ein Kampf gegen ihre Normalisierung weiterhin und genau
das haben wir am 5. September vor.", sagt Mai Schäffer vom „Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen".
"Wenn sie in ihren Sälen hetzen..." (Rosen auf den Weg gestreut - Kurt Tucholsky)
Das „Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen" erteilt
der Strategie, die AfD über Gespräche auf Augenhöhe zu bekämpfen, eine klare Absage. Durch Podien wie das am 5. September werden rechte Positionen weiter
normalisiert und salonfähig. Für das Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen stellt sich deshalb die Frage, warum Boris Palmer das
gelingen sollte, was Top-Journalist:innen seit Jahren nicht schaffen, nämlich die AfD zu entzaubern und zu enttarnen.
Für die AfD wird es eine hervorragende Gelegenheit sein, sich zu verharmlosen und bürgernah zu geben - und genau davon lebt sie. Dass das Podium vollkommen im
Sinne der AfD ist, ist kein Geheimnis: Überall verkündet sie ihre Vorfreude auf die Veranstaltung mit Boris Palmer - auch, weil Frohnmaier 2026 als Ministerpräsident für
die Landtagswahlen in Baden-Württemberg kandidiert. Das Ziel der AfD ist es, am 5. September eine gelungene Wahlkampfveranstaltung in Tübingen abzuhalten, wo das
bisher undenkbar war. So bezeichnete Markus Frohnmaier den Deal gegenüber der BILD-Zeitung als „kein schlechtes Geschäft". Das Bündnis „Gemeinsam & Solidarisch
gegen Rechts" ist sich deshalb sicher: Boris Palmer irrt, wenn er glaubt, der AfD damit in irgendeiner Weise zu schaden.
„Wir werden jedenfalls nicht 'Ja und Amen' dazu sagen, wie Tucholsky warnt. Wer den Aufstieg der Rechten tatsächlich verhindern und AfD-Wähler:innen zurückgewinnen
möchte, muss schon etwas kreativer werden, als mit organisierten Rechten auf einer Bühne zu schwätzen. Dafür muss man das Problem an der Wurzel packen und der AfD
den Nährboden entziehen.", so Schäffer.
Der Nährboden der Rechten ist ein System, in dem tausende Menschen aktuell ihren Arbeitsplatz verlieren; ein kaputtgespartes System, das lieber Geld in die Aufrüstung
pumpt, statt in Kitas, Rente oder die Pflege. So auch in Tübingen, wo den Haushaltskürzungen erst kürzlich u.a. u.a. soziale Projekte oder Teile des ÖPNVs und
der Kultur zum Opfer fielen.
Mit der AfD reden?
„Den Aufstieg der AfD können wir nur dann stoppen, wenn wir zwischen Führung und Basis der Partei unterscheiden. Schwankende Köpfe, AfD-Wähler:innen, die ihre Angst
vor dem soziale Abstieg in die Arme der AfD treibt, mit denen muss gesprochen, die müssen über die Lügen der AfD informiert und denen muss zugehört werden.
Ideologisch überzeugte Nazis und AfD-Funktionäre, die müssen wir bekämpfen. Denen bieten wir kein Podium, gegen deren Veranstaltungen braucht es breiten Protest von
überall", so Schäffer weiter.
Der AfD-Funktionär Markus Frohnmaier ist kein Protestwähler und kein schwankender Kopf. Frohnmaier ist jahrelanges Mitglied der AfD und überzeugter Rechter. Er gehörte
zu den Erstunterzeichnern der sogenannten „Erfurter Resolution", die zentrales Moment der Rechtsentwicklung innerhalb der AfD war und als „Geburtsstunde" des
Flügels bezeichnet wird. Später war er Teil des mittlerweile aufgelösten und von Björn
Höcke gegründeten faschistischen „Flügel". Mutmaßlich war Frohnmaier vor seiner AfD-Karriere Fördermitglied der rechtspopulistischen Kleinstpartei „Die Freiheit" und
Mitglied der faschistischen „German Defence League" (GDL)2, einer gewaltbereiten Organisation aus dem Dunstkreis der Hooligan-Szene. Auf einer PEGIDA-Demonstration
im Jahr 2015 in Erfurt, deren Hauptredner der Faschist Björn Höcke war, sprach Frohnmaier (zu dem Zeitpunkt Vorsitzender der jungen Alternative) zu 4000 Menschen:
„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, [...] liebe Freunde"3 4
Im April 2017 traf sich Markus Frohnmaier mit dem Sprecher der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner. Martin Sellner war der Hauptredner auf der Konferenz in
Potsdam Anfang letzten Jahres und referierte dort über die menschenverachtenden „Remigrationspläne" der Neuen Rechten.
„Um das einmal ganz klar zu sagen: Auch wir kämpfen um jeden schwankenden Kopf, der in der AfD eine Alternative zum bestehenden Elend sucht. Aber: wir gewinnen AfD-
Wähler:innen nicht zurück, indem wir organisierten Rechten eine Bühne bieten. Und das sagen nicht nur wir: darauf weisen etliche Studien hin6.", so Schäffer.
Das „Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen" ruft alle Tübinger:innen dazu auf, gemeinsam und laut das bisher AfD-freie Tübingen zu
verteidigen. Die Kundgebung beginnt um 17 Uhr an der Hermann-Hepper-Halle in Tübingen.
Im Juli 2025 hatte die AfD einen Stand am Zinserdreieck in Tübingen geplant - ein Novum in Tübingen, wo sich die AfD über viele Jahre hinweg nicht offen gezeigt hat. Aus Angst um Umsatzeinbußen im Einzelhandel durch die angekündigten Gegenproteste hatte Boris Palmer der Partei angeboten, stattdessen mit ihm in einer öffentlichen Debatte zu sprechen.
PM

25.08.2025

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